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Home»Beauty & Wellbeing»Schönheits-OPs im Ausland: Die unterschätzen Risiken
Beauty & Wellbeing

Schönheits-OPs im Ausland: Die unterschätzen Risiken

Urs HuebscherBy Urs Huebscher02/13/20266 Mins Read
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Dr. Kelly gibt 10 konkrete Tipps, worauf Patientinnen und Patienten unbedingt achten sollten

Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer lassen Schönheitsoperationen im Ausland durchführen. Zwar sind die Eingriffe günstiger, doch Komplikationen müssen oft später in der Schweiz behandelt werden – mit Folgekosten für das Gesundheitssystem. Dr. Kelly Vasileiadou, Fachärztin FMH für Chirurgie und Gründerin der auf ästhetische Medizin und Chirurgie spezialisierten Dr. Kelly® Klinik in Hünenberg See (ZG), betreut regelmässig Betroffene nach Auslandsoperationen. Den Satz – „Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich es nie gemacht – hört sie regelmässig und gibt konkrete Tipps, worauf man achten sollte.

Dr. Kelly betont ausdrücklich, dass es im Ausland ebenso exzellente plastische Chirurginnen und Chirurgen gibt wie in der Schweiz:

„Es gibt im Ausland herausragende Ärztinnen, Ärzte und Pflegefachpersonen – teils hervorragend ausgebildet und mit grosser Erfahrung. Es wäre unfair und fachlich falsch, das pauschal schlechtzureden. Was mir aber Sorge macht: Viele Patientinnen und Patienten lassen sich von vermeintlichen Schnäppchenpreisen blenden, ohne wirklich zu verstehen, wie viel Risiko sie dabei einkaufen“, sagt Dr. Kelly. “Ich sehe mehrfach pro Monat Patientinnen und Patienten, die sagen: Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich es nie gemacht.”

Gerade Destinationen wie Türkei, Tschechien und Deutschland haben sich in den letzten Jahren zu Hotspots für Schönheitsoperationen entwickelt – mit Hunderttausenden internationalen Patientinnen und Patienten pro Jahr.

„Die entscheidende Frage ist nicht: ‚Ist das Ausland schlecht?‘, sondern: ‚Ist diese konkrete Klinik, dieser konkrete Arzt die richtige Wahl – medizinisch, organisatorisch und rechtlich?‘“, so Dr. Kelly.

Versteckte Kosten für Gesundheit – und fürs Schweizer System

Eine Schweizer Studie zeigte: In einem grossen Universitätsspital mussten innerhalb von vier Jahren 228 Patientinnen und Patienten wegen Komplikationen nach Schönheitsoperationen behandelt werden – nur ein kleiner Teil der Probleme war auf Eingriffe in der Schweiz zurückzuführen. Der überwiegende Teil betraf Operationen im Ausland, häufig in der Türkei, Tschechien, Brasilien oder Deutschland.

Hinzu kommt: Was zunächst als günstige Operation erscheint, kann durch Korrektureingriffe, Spitalaufenthalte, Arbeitsausfälle und Folgekosten sehr schnell teurer werden als eine transparent kalkulierte Operation in der Schweiz. Komplikationen aus dem Ausland landen nicht selten im Schweizer Gesundheitssystem – finanziert über Krankenkassen und öffentliche Spitäler. Der günstige Eingriff wird so zu einem gesamtgesellschaftlichen Problem. Schweizer Patientenorganisationen und Kliniken warnen seit längerem vor fehlender Nachsorge, unklaren rechtlichen Zuständigkeiten und dem Risiko, mit Komplikationen am Ende alleine dazustehen.

„Billig ist im Bereich Chirurgie selten wirklich günstig“, sagt Dr. Kelly. „Die Rechnung geht nur auf, wenn Sicherheit, Qualität, Anästhesie und Nachsorge auf Top-Niveau sind – und das kostet überall auf der Welt Geld.“

10 Tipps von Dr. Kelly: Woran Patientinnen und Patienten eine seriöse Schönheitsklinik erkennen

Auf Basis ihrer klinischen Erfahrung hat Dr. Kelly zehn Punkte formuliert, die jede Patientin und jeder Patient prüfen sollte – egal ob in der Schweiz oder im Ausland. Die Punkte basieren auf typischen „Red Flags“, die bei Schönheitsoperationen im Ausland immer wieder eine Rolle spielen.

1. Direkter Kontakt zur Operateurin / zum Operateur – nicht nur zu Vermittlern
Viele „Berater“ sind in Wahrheit Verkäufer auf Provisionsbasis, nicht Mediziner.

  • Bestehen Sie auf einem persönlichen (Video-)Gespräch mit der Chirurgin oder dem Chirurgen, der Sie tatsächlich operiert.

  • Klären Sie dabei Ihre Krankengeschichte, Medikamente, Allergien und Ihre Erwartungen.

  • Lassen Sie sich nicht von reinen Sales-Argumenten ohne medizinische Tiefe überzeugen.

2. Volle Transparenz über Arzt, Ausbildung und Klinik

  • Name, Facharzttitel, Spezialisierung und Erfahrung der Operateurin / des Operateurs müssen klar kommuniziert werden.

  • Prüfen Sie Mitgliedschaften in anerkannten Fachgesellschaften und offizielle Zertifizierungen.

  • Fragen Sie nach: Wer ist der verantwortliche Anästhesist? Welche Narkoseform ist geplant?

  • Seriöse Kliniken beantworten diese Fragen schriftlich und verständlich.

3. Vorsicht bei Dumpingpreisen und aggressiver Werbung

  • Extrem tiefe Preise sind ein Warnsignal. Irgendwo werden dann Personal, Zeit, Material oder Sicherheit eingespart.

  • Seien Sie skeptisch bei Versprechen wie „keine Narben“, „null Risiko“ oder „perfekte Ergebnisse garantiert“.

  • Prüfen Sie Vorher-nachher-Bilder kritisch – Fake-Fotos und gekaufte Influencer-Reviews sind leider Realität. Social Media zeigt Ergebnisse – aber nie den Heilungsverlauf, die Schmerzen oder die Komplikationen. Narben, Infektionen oder Korrekturoperationen sind nicht Instagram-tauglich und bleiben unsichtbar.

4. Hygiene- und Sicherheitsstandards aktiv hinterfragen

  • Gibt es sichtbare Zertifikate, Kontrollen oder Qualitätslabels für OP und Klinik?

  • Wie viele Operationen werden pro Tag im selben Saal durchgeführt? Gibt es genug Zeit für Sterilisation und Reinigung?

  • Werden Patientinnen und Patienten in eigenen Zimmern überwacht – oder im „Massenbetrieb“?
    Schlechte Hygiene erhöht das Risiko für Infektionen, Wundheilungsstörungen und im Extremfall lebensbedrohliche Komplikationen.

5. Arbeitsbedingungen des Teams: „Fliessbandmedizin“ erkennen

  • Wenn Operateure 10–12 Stunden täglich, 6–7 Tage pro Woche operieren, steigt das Fehler- und Komplikationsrisiko.

  • Fragen Sie: Wer führt was durch? Operiert wirklich der Facharzt – oder erledigen Teile des Eingriffs Assistenten oder Lernende?

  • Hohe Fluktuation und sehr tiefe Löhne führen oft zu Stress, Übermüdung und Qualitätsverlust.

6. Sprachliche und kulturelle Hürden ernst nehmen

  • Sie sollten Aufklärungsbögen, Risiken und Einwilligung vollständig in einer Sprache verstehen, die Sie beherrschen.

  • Missverständnisse bei Allergien, Medikamenten oder Vorerkrankungen sind brandgefährlich.

  • Auch Schönheitsideale sind kulturell verschieden: Was vor Ort als „schön“ gilt, kann in der Schweiz schnell „overdone“ wirken.

7. Narkose- und Notfallkonzept prüfen

  • Ein ausgebildeter Anästhesist und moderne Überwachungsgeräte sind Pflicht – keine Option.

  • Fragen Sie konkret nach: Wer macht die Narkose? Wie ist das Notfallmanagement organisiert? Gibt es Zugang zu einer Intensivstation?

  • Wenn Narkosen vom Pflegepersonal durchgeführt werden, nur um Kosten zu sparen, ist das ein massiver Red Flag.

8. Nachsorge und Erreichbarkeit nach der Rückkehr klären

  • Wie viele Kontrollen sind geplant – vor Ort und nach der Rückreise?

  • Wer betreut Sie bei Wundheilungsstörungen, Schmerzen, Blutergüssen oder Asymmetrien?

  • Viele Schweizer Ärztinnen und Ärzte sind zurückhaltend, Korrekturen nach Auslandsoperationen zu übernehmen – planen Sie das vorher ein.

9. Rechtlicher Schutz und Versicherungen nicht unterschätzen

  • Welche Verträge unterschreiben Sie? In welcher Sprache? Wird Ihre Haftung weitgehend ausgeschlossen?

  • Gibt es eine Haftpflichtversicherung der Klinik? Wie machen Sie im Schadensfall Ansprüche geltend?

  • Recht durchzusetzen ist im Ausland oft schwierig, langwierig und teuer.

10. Gesamtrechnung statt „Paketpreis“ betrachten

  • Rechnen Sie realistisch: Reisekosten, Hotel, Arbeitsausfall, eventuelle Korrekturen, Medikamente, Komplikationen.

  • Bedenken Sie auch emotionale Folgen: Enttäuschung, Scham, Vertrauensverlust, Angst vor weiteren Eingriffen.

„Die wichtigste Frage lautet: Würde ich diese Entscheidung auch treffen, wenn Geld keine Rolle spielen würde? Und würde ich diese Operation auch buchen, wenn ich danach keinen Arzt mehr erreichen kann? Wenn die Antwort Nein ist oder Unbehagen auslöst, ist das ein deutliches Warnsignal“, sagt Dr. Kelly.

Fazit: Informierte Entscheidung statt Schönwetter-Versprechen

Dr. Kelly plädiert dafür, Schönheitsoperationen – ob in der Schweiz oder im Ausland – mit derselben Ernsthaftigkeit zu betrachten wie jede andere Operation:

„Ein ästhetischer Eingriff ist keine Shopping-Reise, sondern ein medizinischer Eingriff mit echten Risiken. Wer sich informiert, kritisch nachfragt und seriöse Anbieter wählt, kann sehr gute Erfahrungen machen – im In- und im Ausland. Aber man sollte sich nie nur vom Preis leiten lassen.“

Dr. Kelly
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