Laut dem aktuellen Bericht zum italienischen Weintourismus der Tourismusforscherin Roberta Garibaldi zählt Wein heute zu den wichtigsten Reisemotiven überhaupt. Immer mehr Menschen reisen nicht mehr nur des Weines wegen, sondern möchten authentische Erlebnisse sammeln: Winzerinnen und Winzer kennenlernen, durch Weinberge spazieren, regionale Spezialitäten entdecken und die Geschichten hinter jeder Flasche erfahren.
Genau diesen Weg geht Brixen gemeinsam mit dem Eisacktal. Hier ist Wein weit mehr als ein landwirtschaftliches Spitzenprodukt – er verbindet Landschaft, Gastfreundschaft, Kulinarik, Kultur und Menschen zu einem ganzheitlichen Reiseerlebnis.

„Die Reisenden sind neugieriger denn je, offen für Neues und genießen bewusster“, beobachtet Teresa Pichler vom Haller Suites & Restaurant. „Ob sie zum Wandern, Radfahren oder wegen der historischen Altstadt nach Brixen kommen – sie schätzen regionale Produkte, echtes Handwerk und persönliche Begegnungen mit den Menschen, die unsere Region prägen.“
Der Sylvaner erzählt die Geschichte einer Region
Das Eisacktal zählt zu den nördlichsten Weinbaugebieten Italiens. Die Reben wachsen an steilen Hängen, auf denen bis heute überwiegend von Hand gearbeitet wird. Das alpine Klima verleiht den Weinen Eleganz, Frische und eine ausgeprägte Mineralität.
Unter den Rebsorten ist der Sylvaner in den vergangenen Jahren zum Sinnbild des Eisacktals geworden.
Um diese Identität weiter zu stärken, wurde das Projekt „Der Sylvaner und das Eisacktal“ ins Leben gerufen. Winzer, Gastronomen und touristische Betriebe arbeiten dabei eng zusammen, um Wein nicht nur als Produkt, sondern als Ausdruck einer gemeinsamen Kultur und regionalen Identität zu vermitteln. Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie die Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Gastronomie und Tourismus das Profil einer Destination nachhaltig stärken kann.

Weinerlebnisse – von Weingut zu Weingut
Die besondere Stärke des Eisacktals liegt in der Vielfalt seiner Weinerlebnisse.
Im Pacherhof, Weingut und Mitglied der Vinum Hotels Südtirol, beginnen Führungen zwischen den Reben und führen anschließend durch historische und moderne Kelleranlagen. Zu den Neuheiten des Jahres zählt Quota Mille, ein klassischer Schaumwein aus Trauben, die auf 1.000 Metern Meereshöhe wachsen und 72 Monate auf der Hefe reifen.
Im biologisch und biodynamisch bewirtschafteten Kuenhof stehen Landschaft, Klima und Handwerk im Mittelpunkt jeder Verkostung. „Viele Gäste suchen heute nicht mehr nur guten Wein, sie möchten verstehen, wo und wie er entsteht und die Menschen dahinter kennenlernen“, erklärt Simon Pliger.
Auch im Griesserhof beginnt jede Weinverkostung draußen im Weinberg. Noch bevor das erste Glas eingeschenkt wird, sprechen die Gastgeber über Terroir, Handarbeit und Qualität. „Wein soll nicht nur verkostet, sondern erlebt werden“, sagt Paul Huber, der überzeugt ist, dass gerade diese Geschichten einen Besuch unvergesslich machen.

Der Taschlerhof öffnet seine Türen regelmäßig für Führungen und Verkostungen. Der Burgerhof Messner verbindet Weinbau mit bäuerlicher Gastfreundschaft: Hofführungen, Buschenschank, Weinverkostungen und Ferienwohnungen ermöglichen den Gästen einen authentischen Einblick in das Leben eines Familienweinguts.
Im Hoandlhof lädt der renommierte Winzer Manni Nössing jede Woche zu Weinverkostungen ein und vermittelt dabei seine Philosophie eines charakterstarken, authentischen Weinbaus mit unverwechselbarer Herkunft.
Auch die Stiftskellerei Neustift, deren Weinbautradition fast 900 Jahre zurückreicht, entwickelt ihr Angebot kontinuierlich weiter. Neben Kellerführungen und Verkostungen bietet sie seit diesem Sommer stimmungsvolle Picknicks in den Weinbergen an: eine neue Möglichkeit, die einzigartige Kulturlandschaft rund um das Kloster Neustift bei regionalen Spezialitäten und den Weinen des Stifts zu genießen.

Wenn Wein und Käse dieselbe Sprache sprechen
Viele Weinregionen erzählen von ihren Weinen. Nur wenige können von einer Zusammenarbeit wie jener zwischen den Winzern des Eisacktals und Hansi Baumgartner, einem der bekanntesten Käseveredler Europas, berichten.
In seiner Manufaktur Degust wird Wein selbst Teil des Reifeprozesses. Gewürztraminer, Müller Thurgau, Lagrein, Rosenmuskateller, Trester, Weinblätter und Holzfässer verleihen den Käsen während der Reifung ihren unverwechselbaren Charakter und machen sie zu einem Spiegelbild des Terroirs. Der Käse Golden Gel® reift im Nectaris-Trester der Kellerei Eisacktal, während die neue Spezialität SassriGais, die gemeinsam mit Winzer Manni Nössing entwickelt wurde, im Müller-Thurgau-Trester veredelt wird.
„Die Menschen interessieren sich immer stärker für handwerklich hergestellte, regionale Spezialitäten. In einer Weinregion wie dem Eisacktal ist es naheliegend, Wein und Käse miteinander zu verbinden. Daraus entstehen authentische Produkte mit echtem Mehrwert“, erklärt Hansi Baumgartner.
Diese Zusammenarbeit steht beispielhaft für eine regionale Wertschöpfungskette, in der Produzenten verschiedener Branchen gemeinsam einzigartige Genusserlebnisse schaffen.

Hotels machen Wein zum Reiseanlass
Auch die Hotellerie trägt maßgeblich dazu bei, Wein als festen Bestandteil des Urlaubserlebnisses zu etablieren.
Das Hotel Elephant hat sich mit einer der renommiertesten Weinkarten Italiens international einen Namen gemacht und wurde in die angesehene Star Wine List aufgenommen. „In den vergangenen Jahren konnten wir zahlreiche Gäste gewinnen, die ausschließlich wegen unserer Weinkarte nach Brixen gereist sind“, erzählt Maître und Sommelier Michael Falk.
Im Haller Suites & Restaurant ist Wein fester Bestandteil des Aufenthaltserlebnisses. Besonders beliebt ist die Rebstunde: eine Verkostung von Kerner und Sylvaner mitten im Weinberg, begleitet von Geschichten über das Eisacktal und seine Weinkultur. Darüber hinaus veranstaltet das Haus das ganze Jahr über Winzerdinner, Verkostungen und kulinarische Kooperationen mit regionalen Produzenten wie Degust.
Im Santre Dolomythic Home steht das stilvolle vino.atelier im Mittelpunkt. Dort begleitet Sommelier Andreas Goller die Gäste auf eine Reise durch die Weinwelt Südtirols und erzählt von den Menschen hinter den Etiketten. Im Herbst ergänzen Besuche bei regionalen Weingütern das Angebot.
Auch das My Arbor versteht Wein als Erlebnis. Mehr als die Hälfte der rund 1.200 Positionen auf der Weinkarte stammen aus Südtirol. Verkostungen werden hier mit Kulinarik, Natur und Begegnungen mit lokalen Produzenten verbunden.
Eine Besonderheit stellt schließlich der Pacherhof dar: Hier wohnen Gäste direkt auf einem Weingut und erleben Wein genau dort, wo er entsteht.
Eine frühe Weinlese zeichnet sich ab
Die ersten Einschätzungen der Winzer lassen auf eine etwas frühere Weinlese als in den vergangenen Jahren schließen.
Am Burgerhof Messner rechnet man bereits Mitte August mit dem Beginn der Ernte. Der Griesserhof erwartet den Start in der zweiten Augusthälfte, während Manni Nössing, Pacherhof, Kuenhof, Taschlerhof und die Stiftskellerei Neustift derzeit von einem Lesebeginn zwischen Anfang und Mitte September ausgehen – abhängig vom Wetterverlauf der kommenden Wochen.
Auch wenn endgültige Aussagen noch nicht möglich sind, blicken die Winzer der Ernte 2026 mit Zuversicht entgegen und erwarten einen qualitativ vielversprechenden Jahrgang.
Wein begleitet das ganze Jahr
Das Weinerlebnis in Brixen endet nicht an der Kellertür, sondern zieht sich wie ein roter Faden durch alle Jahreszeiten.
Den Auftakt bildet im Frühjahr der Neustifter Frühling. Ende April öffnen Winzer und Bauernhöfe rund um Neustift gemeinsam ihre Tore und laden zu Verkostungen, Hofführungen, Begegnungen mit den Produzenten und genussvollen Einblicken in die Weinkultur des Eisacktals ein. Besuchende erleben dabei unmittelbar jene Orte, an denen die Weine entstehen.
Im Sommer verwandeln Veranstaltungen wie Treff.Wein und Dine, Wine & Music die Brixner Altstadt in einen Treffpunkt für Winzer, Köche, Musik und Genuss..
Mit dem Herbst setzt sich diese Geschichte ganz selbstverständlich fort – mit der Weinlese und dem Törggelen, jener tief verwurzelten Tradition des Eisacktals, die neuen Wein, Kastanien, bäuerliche Küche und Geselligkeit miteinander verbindet.
So entsteht ein ganzjähriges Erlebnis, das Besucher einlädt, Brixen und das Eisacktal mit allen Sinnen kennenzulernen.
Denn in Brixen wird Wein nicht nur eingeschenkt. Er erzählt von einer Landschaft, von den Menschen, die sie prägen, und von einer Region, die Gastfreundschaft mit authentischem Genuss verbindet.

