In diesem exklusiven Interview reflektiert Jeremie Bernheim über Führung, Vermächtnis und die Verantwortung, die mit der Führung einer globalen Luxusmarke einhergeht.

Autor_Alexander Chetchikov

Mit fast 20 Jahren Erfahrung in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Strategie hat Bernheim seine Karriere in einigen der weltweit bekanntesten Unternehmen aufgebaut. Er begann bei Procter & Gamble, setzte seine Arbeit bei Kellogg’s fort und hatte später leitende Positionen bei Philip Morris International inne, bevor er als Chief Marketing Officer zu RAYMOND WEIL wechselte. Dort konzentrierte er sich darauf, das internationale Wachstum voranzutreiben und gleichzeitig die Unabhängigkeit und das Erbe zu bewahren, die den Schweizer Uhrmacher auszeichnen.

Im Gespräch über den Übergang von großen FMCG-Organisationen zu einem familiengeführten Luxushaus, die Disziplin, die nötig ist, um dauerhafte Marken aufzubauen, und die Bedeutung von Klarheit, Verantwortlichkeit und Authentizität im heutigen wettbewerbsintensiven Umfeld.

Jeremie, Sie haben das Marketing großer Verbrauchermarken geleitet und leiten nun die globale Marketingvision bei RAYMOND WEIL. Welche Denkweisen waren am wichtigsten beim Übergang vom großflächigen FMCG zur Präzision und dem Erbe der Schweizer Uhrmacherei?

Jeremie Bernheim: Einer der größten Veränderungen war der Übergang von Größe und Trägheit hin zu Tiefe und Präzision. In großen FMCG-Organisationen gibt es hinter Ihnen eine mächtige Maschine mit Strukturen, Prozessen, Budgets und Teams, die auf natürliche Weise Schwung erzeugen. In einem unternehmerischeren, traditionsgetriebenen Unternehmen wie RAYMOND WEIL bewegen sich die Dinge nur, wenn man sie in Bewegung bringt.

Das bedeutet, viel engagierter und selbstinitiierter zu sein. Sie müssen Energie, Initiative und Klarheit in jedes Projekt einbringen und vor allem Menschen mitbringen. Mit schlankeren Teams und engeren Ressourcen werden Organisation und Priorisierung entscheidend, und Führung dreht sich um Ausrichtung und Überzeugung. Es geht weniger darum, ein System zu managen, sondern vielmehr darum, gemeinsam Schwung zu schaffen, wobei immer die Tiefe, das handwerkliche Können und die langfristige Vision respektiert werden, die die Schweizer Uhrmacherei ausmachen.

RAYMOND WEIL hat eine starke Identität, die in der Familientradition verwurzelt ist. Wie schaffen Sie es, dieses Erbe zu ehren und gleichzeitig sicherzustellen, dass die Marke für den heutigen Luxuskäufer relevant bleibt, ohne sich nur auf Trends zu verlassen?

Für mich bedeutet das Ehren eines Familienerbes nicht, zurückzublicken; Es bedeutet, zu verstehen, was die Marke wirklich ausmacht, und sie heute relevant zu machen. Bei RAYMOND WEIL sind Unabhängigkeit, Kreativität und musikalische Inspiration Teil unserer DNA. Diese Werte sind zeitlos. Das Gleichgewicht liegt darin, dieser Identität treu zu bleiben und sie gleichzeitig zeitgemäß auszudrücken – durch Design, Kommunikation und Kundenerfahrung. Relevanz entsteht nicht durch das Verfolgen von Trends, sondern darin, die heutigen Kundenerwartungen zu verstehen und unser Erbe in etwas zu übersetzen, das heute Anklang findet. Wenn das Fundament stark und authentisch ist, wird die Evolution natürlich statt erzwungen.

Sie haben Teams über Kontinente und Branchen hinweg geleitet. Welche Prinzipien leiten Sie beim Aufbau von Marketingorganisationen, die agil und kreativ bleiben und dennoch konstante Ergebnisse liefern?

Für mich beginnt es mit Klarheit. Teams können nur dann agil und kreativ sein, wenn sie die Vision, die Prioritäten und den Erfolg klar verstehen. Ausrichtung schafft Selbstvertrauen, und Selbstvertrauen entfaltet produktive Kreativität.

Das zweite Prinzip ist die Stärkung durch Rechenschaftspflicht. Ich glaube daran, Menschen Eigenverantwortung und Raum zur Eigeninitiative zu geben, aber immer innerhalb eines klaren Rahmens von Zielen und messbarer Wirkung. Dieses Gleichgewicht hält die Energie hoch und sorgt gleichzeitig für Konstanz und Ausführung.

Schließlich lege ich großen Wert auf Einfachheit in Organisation und Prozessen. Je komplexer die Umgebung ist, desto wichtiger ist es, die Strukturen schlank, die Kommunikation transparent und die Entscheidungsfindung schnell zu halten. Beweglichkeit entsteht nicht zufällig; Sie wird durch Vertrauen, Klarheit und disziplinierte Geschäftsführung aufgebaut.

Der Luxusuhrenmarkt steht vor neuen Drucken, von digital-first-Wettbewerbern bis hin zu sich wandelnden Erwartungen an Handwerkskunst und Authentizität. Welche Kräfte werden Ihrer Meinung nach am wichtigsten für die Gestaltung des nächsten Abschnitts der Branche sein, und wie bereitet sich RAYMOND WEIL darauf vor?

Ich glaube, die wichtigste Kraft, die das nächste Kapitel formt, ist die Suche nach Bedeutung. Die heutigen Kunden sind äußerst informiert; Sie vergleichen, sie recherchieren, sie stellen Fragen. Über das Produkt hinaus wollen sie Authentizität, Transparenz und Marken, die für etwas Klares stehen.

Digital wird weiterhin die Erwartungen an Zugänglichkeit und Engagement beschleunigen, aber Handwerkskunst und Glaubwürdigkeit bleiben die Grundlage. In der Uhrmacherei kann Legitimität nicht improvisiert werden. Unsere Preispositionierung ist ebenfalls ein wichtiger Teil der Gleichung. Wir sind in einem Segment tätig, in dem der Wert nicht im Sinne von Rabatten zählt, sondern indem wir echte Schweizer Uhrmacherei, starkes Design und Unabhängigkeit zu einem fairen und kohärenten Preis liefern. In Zeiten der Unsicherheit und wirtschaftlichen Instabilität weltweit wird dieses Gleichgewicht noch relevanter.

Bei RAYMOND WEIL ist es unser Ansatz, Qualität und Tradition tief verpflichtet zu bleiben und gleichzeitig unseren Ausdruck dieses Wertes zu schärfen: durch stärkeres Storytelling, eine verstärkte digitale Präsenz und enge Beziehungen zu unseren Partnern und Kunden. Es geht nicht darum, uns selbst neu zu erfinden, sondern darum, dies mit Klarheit und Selbstvertrauen in einer sich verändernden Umgebung auszudrücken.

Quick Facts:

Jeremie Bernheims Perspektive ist von Erfahrungen aus verschiedenen Branchen geprägt, aber fest in den Realitäten des zeitgenössischen Luxus verwurzelt. Sein Ansatz verbindet Struktur mit Kreativität, langfristiges Denken mit operativer Disziplin und Respekt vor dem Erbe mit klarer Marktpositionierung. Da der Luxusuhrensektor neuen Belastungen und sich ändernden Kundenerwartungen gegenübersteht, ist seine Botschaft eindeutig: Starke Grundlagen, konsequente Umsetzung und klare Identität bleiben unerlässlich.

Das Interview wurde innerhalb der World Luxury Chamber Community geführt. Durch den fortlaufenden Dialog innerhalb der World Luxury Chamber of Commerce tragen Führungspersönlichkeiten wie Bernheim zur Stärkung von Standards und Führung im globalen Luxussektor bei. PRESTIGE ist Medien-Partner der der WLCC.

WLCC bietet regelmäßig Gespräche und Einblicke von globalen Luxus-Führungskräften. Treten Sie der Community bei, um wöchentlich neue Interviews und Perspektiven zu erhalten: https://worldluxurychamber.com/wlcc-community/

 

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