Das Lingerie-KI-Startup MYNE konstruiert erstmals echten Komfort passgenau für jede Trägerin. Jedes Teil wird individuell gefertigt mit Hilfe eines präzisen Smartphone-Bodyscans und Robotik Produktion. Gründerin Linda Durisch befreit damit nicht nur Brüste, sondern macht auch der Fashion Industrie eine Kampfansage.

Das Schweizer Startup MYNE will nichts Geringeres als eines der ältesten Systeme der Modeindustrie
abschaffen: standardisierte BH-Größen. Das 2025 gegründete Fashion-Tech-Unternehmen aus
Graubünden entwickelt individuell gefertigte BHs auf Basis von KI-gestütztem Smartphone-Scanning, algorithmischer Schnittkonstruktion und automatisierter On-Demand-Produktion. Statt Frauen in starre Größenkategorien zu pressen, passt sich bei MYNE erstmals das Produkt vollständig dem Körper an.

Hinter der Idee steht die Textilingenieurin Linda Durisch, die sich seit mehr als 15 Jahren mit Passformtechnologie beschäftigt — und gemeinsam mit ihrem Mann Mathias Durisch aus einem alltäglichen Frust ein skalierbares Technologieunternehmen aufgebaut hat. Die Idee wirkt auf den ersten Blick überraschend simpel: Warum akzeptieren Frauen seit Jahrzehnten, dass ein Kleidungsstück, das sie täglich tragen, drückt, verrutscht oder einschneidet? Für Linda Durisch war genau diese Normalisierung irgendwann der entscheidende Punkt. „Viele Frauen glauben, ihr Körper sei das Problem“, sagt sie. „Dabei funktioniert schlicht das System nicht.“

Textilingenieurin Linda Durisch und ihr Mann Mathias Durisch.

Der globale BH-Markt basiert bis heute auf standardisierten Größenrastern, die vor knapp hundert Jahren entstanden sind — entwickelt für industrielle Massenproduktion, nicht für individuelle Körperrealitäten. Das Problem beginnt oft schon vor dem Kauf: Viele Frauen kennen ihre BH-Größe nicht genau. Und selbst dort, wo eine Größe vermeintlich stimmt, sagt sie nur wenig über die tatsächliche Passform aus. Denn zwei Frauen mit derselben Größe können völlig unterschiedliche Körperformen, Proportionen und Bedürfnisse haben. Für Durisch ist das mehr als ein Komfortproblem. Es ist ein struktureller Denkfehler.

„Viele Unternehmen haben versucht, individuelle Passform zu entwickeln“, sagt Durisch. „Aber sie haben nie den Produktionsprozess selbst neu gedacht.“ Das zeigt sich auch im Produktdesign. Selbst der klassische Metallbügel wurde hinterfragt. Stattdessen arbeitet MYNE mit flexiblen Linien, dem „Custom Silikon Frame“, der Halt und Formgebung übernimmt, ohne starre Druckpunkte zu erzeugen. Der BH wird dadurch weniger Korsett als bewegliche zweite Haut. Doch je länger man mit Durisch spricht, desto deutlicher wird: Bei MYNE geht es um weit mehr als Unterwäsche. Es geht um einen überfälligen Perspektivwechsel: Nicht die Kundin muss zur Größe passen. Das Produkt muss zum Körper passen.

 

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